Dawno mówią: gdzie Bóg, tam zgoda. Orzechowski

[ Pobierz całość w formacie PDF ]

Verbrechernaturen darzustellen, so würde ich, wie Hermann Müller es gelegentlich tut, Irrenhäuser, und wie's
Richard Vallentin vor dem Nachtasyl machte, Kaschemmen aufsuchen. Die Moskauer sollen sich wochenlang
in Dörfern aufgehalten haben, bevor sie ein Stück mit Bauern spielten. Das nenne ich, auf die Eroberung des
Andern, das wir nicht sind, aber der Kunst halber einmal sein wollen, losgehen; das möchte ich vielleicht mit
dem Namen praktischer Dualismus bezeichnen.
Mag sein, daß ich nichts von alledem täte, wenn ich Schauspieler wäre, das heißt natürlich auch meiner
ganzen Veranlagung nach, nicht nur nominatim, Schauspieler; aber nun, da ich bin, was ich bin, glaube ich,
ich würde das tun, wenn ich das wäre.
Stufen 47
1907
Man mag das Wort 'Schmiere' zu seiner Bildung zum Theaterkritiker brauchen, aber es wird von wahrer
Urbanität zeugen, wenn man es später jemals wieder zu brauchen -- ablehnt.
* * * * *
Wenn es einem Kritiker Freude macht, sich einen Schaffenden im Sinne eines Schöpfers zu nennen, so soll
man ihm die Freude lassen. Der liebe Gott wird dann schon einmal zu ihm sagen: 'Schaffe eine Maus,' -- 'O
nein,' wird der Kritiker antworten, 'so ist nicht die Gabe meines Schaffens. Gib mir ein Nashorn oder ein
Känguruh, so will ich dir sagen, was ich daran falsch und was ich daran richtig finde, und auch sonst werde
ich noch manches zum Thema sagen, was vielleicht interessanter ist als das ganze Känguruh oder das ganze
Nashorn,' -- 'Ja, ja,' wird der liebe Gott sagen, 'das mag wohl sein, aber wenn ich nun so klug gewesen wäre
wie du -- was hätte ich dann wohl anfangen sollen? Wie hätte ich die Welt wohl aus mir heraussetzen sollen,
wenn ich erst etwas bereits Herausgesetztes hätte vorfinden müssen, um mich an ihm herauszusetzen, oder
anders ausgedrückt, um daran in deiner Weise schöpferisch zu werden?'
* * * * *
Wenn einer vorliest! was denkst, was fühlst du da alles! ... aber weil du (auch) zuhörst, so wirst du ein
Zuhörer geheißen. Als ob dich das erschöpfen könnte: "der 'Zuhörer' war ganz ergriffen" -- O gewiß, aber
vielleicht nicht bloß als Zuhörer.
Der Klang der Stimme (z.B.) hatte dich vielmehr an einen Winterabend erinnert, an dem einmal jemand zu dir
gesagt hat: 'Das also hast du vor, diesen Weg willst du gehen!' .. Aber das kümmert den wenig, der vorliest. Er
'liest vor' und du 'hörst' zu. Ich möchte, daß du daraus ersiehst, wie armselig es ist, wenn man dich
beispielsweise im Theater einfach als 'Zuschauer' bezeichnet und behandelt. Jawohl, du schaust freilich (auch)
zu, aber daneben -- was ist alles daneben noch möglich -- was begibt sich alles in dir noch daneben. Wir
sollten uns alle wider den Bann solcher Wörter sträuben. Es ist, als bände uns einer eine starre Maske mit nur
einem Gesichtsausdruck vor, aber die Maske ist nur suggeriert -- erwachen wir doch und erkennen, daß wir
auch im Theater nicht Zuschauer allein sondern unendlich viel mehr, nämlich durch keine Bezeichnung zu
erschöpfende Wesen sind, und daß wir daher auch im Theater alles erleben dürfen, was ein Mensch nur immer
geistig erleben kann, und nicht nur, was ein 'Zuschauer' erleben darf. Aber wir sind so über und über im Bann
von Bezeichnungen, daß wir aus lauter Pflichtgefühl ihnen zu entsprechen, keinen freien Gedanken mehr zu
denken wagen, und nach einem innerlich noch so reichen Theaterabend dennoch von einem verlorenen Abend
reden zu müssen glauben, weil wir als 'Zuschauer' nicht ganz auf die Kosten gekommen sind. --
1908
Zum Gastspiel des Moskauer Künstlertheaters.
Nicht nur das Volk, auch die Kritiker haben dem Zauber der Russen -- und nicht nur Stanislawskis -- nicht
widerstehen können, warum wohl? Weil von den Russen das ausging, was in den Deutschen heute höchstens
als Privatsache, aber nicht als Unterton ihres ganzen nationalen Lebens lebt: Liebe, Liebe zu einander, zu uns,
zu ihren Dichtern, wortlose, unausgesprochene, uneingestandene aber selbstverständliche Liebe. Es gibt kein
anderes Wort, höchstens daß man noch sagte: innere Religiosität. Hieraus quoll die letzte Schönheit dieser
Künstler. Und zu ihr könnten auch wir uns hinankämpfen und hinanleiden, wenn wir nicht mit kaltem
Kritizismus, mit Theorien, Wunsch-Luftspiegeleien aufeinander loshackten, sondern verstehend und liebend
einander zu fördern, einander zu steigern, einander zu vervollkommnen suchten.
* * * * *
Stufen 48
Es ist nur sehr viel leichter zu wünschen und von Großem, wie es sein müßte, zu reden, als im Gegebenen sich
zu bescheiden und die großen Faktoren sich nutzbar zu machen, die das lebendige Leben um einen herum
enthält. Da muß man freilich etwas mehr guten Willen haben und nicht gleich ungeduldig in Bausch und
Bogen verwerfen, wenn man nicht just in den Punkten, in denen man gern befriedigt sein möchte, auf seine
Rechnung zu kommen scheint. Eines Schauspielers Wert erschöpft sich noch lange nicht im rein
Darstellerischen. Ich habe hier in Tirol Gelegenheit, viel in kleine Theater zu kommen: nun, ich ziehe meinen
Hut noch tief ab vor allen möglichen Leuten, die der kaltherzige, hochfahrende, einseitige und verbildete
Großstadt-Kritiker, dem die Augen fürs innere Leben und Sichfortentwickeln unseres Volkes oft nur zu sehr
verschlossen sein mögen, zumeist, weil die persönliche innere Beziehung einfach nicht da ist, nicht da sein
kann, vermutlich mit irgend einem Clichéausdruck wie Schmierenkomödianten abtun würde; und ich bin weit
entfernt davon, diesen braven, willigen und fröhlich-unermüdlichen Soldaten der Kultur, mögen sie im
Leibregiment oder in der verrufensten Garnison dienen, anders als mit einer Hochachtung zu begegnen, die
mir fast immer noch irgendwo Dankbarkeit und Freude verstattet. Aber ich vergesse wohl, daß ich ein
Gottseidank unverpflichteter Außenseiter bin und daß der Berufsmensch wohl unwillkürlich dem Schicksal
des Spezialisten, das ist des Einäugigen, des Monophthalmoden, verfällt. Das Eine Auge starr auf die Bühne
gerichtet, sieht er alles nur in der Kunstfläche, während es in Wahrheit bis in den Urgrund der Welt
hineinreichende Plastik ist, auch dies, auch diese Bühnenmenschheit da droben.
1909
Wie kann man einem Schauspieler 'die Wahrheit sagen' und zugleich den Menschen in ihm respektieren?
Einfach, indem man ihn liebt. Man liebt ja Blumen, Steine, Tiere -- ist der Mensch der Liebe weniger würdig?
Schließt denn Erkenntnis die Liebe aus? Oder ist es nicht vielmehr so: Je mehr Erkennen, desto mehr Liebe? [ Pobierz caÅ‚ość w formacie PDF ]

  • zanotowane.pl
  • doc.pisz.pl
  • pdf.pisz.pl
  • jungheinrich.pev.pl
  • WÄ…tki

    Cytat


    Ibi patria, ibi bene. - tam (jest) ojczyzna, gdzie (jest) dobrze
    Dla cierpiÄ…cego fizycznie potrzebny jest lekarz, dla cierpiÄ…cego psychicznie - przyjaciel. Menander
    Jak gore, to już nie trza dmuchać. Prymus
    De nihilo nihil fit - z niczego nic nie powstaje.
    Dies diem doces - dzień uczy dzień.